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Greet Helsen – Bilder

Ausstellung und work in progress vom 20. Februar bis 3. April 2011
Für die Dauer der Ausstellung malt Greet Helsen in der Galerie:
täglich 10–14 Uhr ausser Dienstag, vom 12.–19.3. täglich 10–17 Uhr und auf Anfrage

Zur Zeit präsentiert die Riehener Galerie Mollwo die neuesten Arbeiten von Greet Helsen. Sie wurde 1962 in
Hoogstraten, Belgien geboren. Ihre künstlerische Ausbildung absolvierte sie unter anderem bei Beppe
Assenza. Heute ist sie selbst Dozentin an der in Münchenstein ansässigen Assenza Malschule.
Die Materialien, die Greet Helsen für ihre Bilder verwendet, sind vornehmlich Leinwand und Acryl. Das
Besondere an ihrer Technik ist der Umgang mit Acryl; sie verwendet Acryl ähnlich wie Aquarellfarbe. Dies
verleiht ihren Bildern eine ganz eigene Leichtigkeit, um nicht zu sagen Heiterkeit.
Dabei entstehen abstrakte Kompositionen, deren wichtigste Elemente, Farbflächen an und für sich, meist als
freie Rechtecke erscheinen. Zudem setzt sie gekonnt Akzente mittels Tuschelinien, was den Bildern eine
Filigranität verleiht. Die Flächen liegen nebeneinander oder überlagern sich sogar. Dabei bleiben die einzelnen
Schichten immer erkennbar. So entsteht eine Transparenz und gleichzeitig eine Tiefenwirkung. Die Flächen,
die nebeneinander liegen, sind nicht durch harte Konturen von einander getrennt, vielmehr fliessen sie oft
ineinander. Das verleiht Greet Helsens Werken eine Weichheit. Weitere Akzente setzt Helsen mittels weisser
Farbfelder. Diese wirken als Lichtelemente und geben den Kompositionen ihre Spannung. Denn das Spiel der
einzelnen Farben überrascht durch Harmonie und gleichzeitig durch Spannung.


Greet Helsen

Der Künstler Gerhard Merz konstatierte:
„Avantgarde kann doch nur darin bestehen, aus dem Riesenangebot an schon Vorhandenem das richtige auszusuchen. Qualität wird gewissermassen durch das Einzugsgebiet festgestellt, dadurch, womit sich ein Künstler beschäftigt.“ Greet Helsen arbeitet auf Leinwand mit Acryl. Sie bewegt sich in den Werkgrössen von 40 x 4o bis zu 200 x 140.Sie verfährt mit Acryl wie mit Aquarellfarbe, setzt zeichnerische Akzente mit Tuschen und Linien, lässt Farben aneinandergleiten, bewegt sie und sich in einer Verwandlung des naturhaft Gegenständlichen in dessen Auflösung. Sie geniesst den malerischen Prozess im Verlängern des sinnlichen Farbgenusses, die Entdeckungsreisen im Schaffen der Künstlerin erreichen mit diesem Vorgehen den Betrachter direkt. Die Auseinandersetzung mit dem Licht, ein Wesentliches in der Kunst, das bei Helsen auch als Weiss auftritt, macht sie zum „Lichtfänger“, indem sie Kontraste schafft, was den Zugriff zur Trübung erfordert. Die Provokation im Dialog von hell/dunkel wird besonders erfahrbar in ihrem WerkPhiole „Phiole“, (130 x 180, 2006). Der Umgang mit den nahezu gestaltlosen Grautönen, das Eintauchen in die totale Tiefe der Dunkelheit, dann die Setzung - wie ausgespart- der Behältnisse des Lichtes, sich energisch behauptend. Mit Spannung zu betrachten auch die kleinformatigeren neuen Zyklen mit Tusche und Acryl, schwarz auf weiss, tänzerisch-dynamische Gesten im Kontrast zu fast monochromer, rhythmischer Behandlung grau-schwarz-weisser Farbfelder. Diese Arbeiten erreichen den Betrachter nicht unmittelbar, erschweren eher die Interaktion, das heisst, sie lösen sich stärker vom individuellen Einfluss, schaffen eher absolute Werte im Sinne von Transzendenz gegenüber irdischer Realität, lassen geschehen. Daneben im Werk immer wieder Farbklänge, spielerische Improvisationen! Zum einen in der gleichmässigen, aus mehrfachen Überlagerungen von Farbschichten resultierenden Oberflächenbeschaffenheiten ( in frühen Arbeiten pastoser durch Einlagerung von Materialien wie Sand), zum anderen im Einsatz von Rot und Schwarz, dramatisch die nahestehende Intensität der Gefühle und Leidenschaften verdichtend, schliesslich beherrscht durch klares diszipliniertes Denken und Handeln. Helsens Arbeiten sind oft aus gegenstandsnahen Vorstellungen geschöpfte Farblandschaften. Aus ihnen gelangt sie über metaphorisch beschreibbare Empfindungen zu eigenwilligen Kompositionen. Man ist geneigt, sie nahezu als aurisch zu benennen, was keineswegs den dynamischen Charakter vermissen lässt. Helsen spricht potentiell jedem Ding und jeder Erscheinung - soweit sie nicht serienhaft reproduziert sind - eine ursprüngliche geistige Essenz zu. Zeugnis geben von „vorhistorischer Ganzheit“ birgt den Rückfall in naturalistische Vorstellungen in sich. Dort ,wo zuviel „seelische Empfängnisbereitschaft“ spürbar wird, verliert sich das Atmosphärische aus dem Zentrum des künstlerischen Tuns ,aus dem „Hauch“( griech. Aura) wird Resultat. Hier wird das Ringen der Künstlerin deutlich und spannend, nämlich über das Sinnliche einen atmosphärischen Hof zu bilden, der den Eindruck der Wandelbarkeit und Unermesslichkeit vermittelt. „Bilder schaffen Atmosphären, sinnliche Stimmungen, aussergewöhnliche Zustände und Stimmungen, die fühlbar sind, aber nicht tastbar“. (Yves Klein, Paris 1983) Diese Aussage wird an den Arbeiten von Greet Helsen nachvollziehbar.

Dorothea Deimann , Kunst Raum Rhein Basel, Juli 2007


Florianne Koechlinpalaver

 

Aus dem Inhalt:
Interview mit Greet Helsen

Lenos Verlag
ISBN 978 3 85787 399 7

 

Auszug aus Pflanzenpalaver

Malen im Reich der Blumen

...
Wir treffen uns morgens um acht Uhr bei mir zu Hause; auf dem Küchentisch brodelt die Kaffeemaschine. »Ich kann mit der Malerei nur darstellen, wie das Bild einer Pflanze aussieht«, sagt Greet Helsen. »Die Pflanze selber kann ich nicht malen. Darum ist es entscheidend, wie ich als Malerin die Pflanze sehe und welche Empfindungen ich dabei habe. So werde ich sie darstellen. Da spielt mein Verhältnis zum Sinnlichen eine Rolle, meine Auffassung vom Lebendigen. Wenn ich überzeugt bin, dass eine Pflanze mehr ist als blosse Mechanik, wenn ich ihr also Lebenskräfte oder gar eine Seele zugestehe, dann versuche ich dies in der Malerei aufzunehmen. Hierin besteht die grosse Herausforderung: das, was nicht sichtbar ist, in einem Bild zu zeigen.«

Sie spricht in präzisen, beinahe druckreifen Sätzen. Man merkt, dass sie sich seit langem mit solchen Fragen beschäftigt. »Ein Baum zum Beispiel: Wenn ich einen Baum anschaue, sehe ich zuerst vielleicht nichts Besonderes; es ist einfach eine unglaubliche Laubmasse, die da in die Luft gestellt wird. Wenn ich mich länger mit dem Baum beschäftige, ihn beobachte und zeichne, beginne ich Strukturen wahrzunehmen. Ich stelle selber eine Ordnung her. Mit der Zeit merke ich, was für den Baum typisch ist, die Art etwa, wie er die einzelnen €ste und Zweige gliedert, welche Verhältnisse zwischen den Blättern auftreten, die Intervalle in den Wachstumsformen. Ich merke, dass da viele Strukturen vorhanden sind und dass sie nicht einfach zufällig sind. Sie
besitzen eine bewegungshafte Ordnung. So kann ich auch zu der Empfindung gelangen, dass bei diesem Baum alles mit allem zusammenhängt. Trotzdem ist er rhythmisch gegliedert und in sich bewegt - das ist nicht langweilig und ruhig.«

Im Innern des Baumes liefen gleichzeitig viele Prozesse ab, Zellprozesse, Wachstumsprozesse, Flüssigkeitstransporte, Stoffwechselvorgänge. Dieses Kräftespiel zum Ausdruck zu bringen, erachte sie als die grosse Kunst der Malerei. mehr

Greet